Der Einsatz von strukturellen Makrofasern im Betonbau wird immer häufiger. Das ist kein Zufall. Eine gut ausgewählte und richtig dosierte Makrofaser kann die Bauausführung vereinfachen, das Rissrisiko verringern und in bestimmten Fällen die herkömmliche Stahlmattenbewehrung ersetzen.
Es gibt jedoch einen Punkt, der nicht außer Acht gelassen werden darf.
Eine strukturelle Makrofaser ist nicht einfach nur eine gewöhnliche „Betonfaser“. Es handelt sich nicht lediglich um eine Kunststofffaser, die dem Beton beigemischt wird und diesen dann auf irgendeine Weise verbessert. Wenn ein Produkt für den strukturellen Einsatz, als Ersatz für Stahlmatten oder zur Verbesserung des Tragverhaltens von Beton nach Rissbildung empfohlen wird, kommt seiner technischen Dokumentation eine entscheidende Bedeutung zu.
Hier geht es nicht nur darum, ob das Produkt in der Europäischen Union in Verkehr gebracht werden darf. Ebenso wichtig ist, ob das Produkt aufgrund seiner angegebenen Leistungsmerkmale für die Spezifizierung und den Einbau in das Bauwerk oder das Betonbauteil geeignet ist, für das es empfohlen wird.
Diese beiden Fragen sind nicht dasselbe.
Bei der Inverkehrbringung eines Produkts auf dem EU-Markt geht es um die Verfügbarkeit auf dem Markt. Bei der tatsächlichen Einbau in ein Bauwerk geht es darum, ob die Leistung des Bauprodukts den für das jeweilige Bauwerk erforderlichen technischen Leistungsanforderungen entspricht.
Deshalb geht es bei strukturellen Makrofasern nicht wirklich darum, ob irgendeine Art von Dokument vorliegt.
Die eigentliche Frage lautet:
Bestätigen die Unterlagen tatsächlich die Angaben, die über das Produkt gemacht werden?
Warum ist das wichtig?
Der Austausch von Stahlgitterbewehrungen ist kein Marketingversprechen.
Eine Makrofaser wird nicht allein dadurch zu einem Konstruktionsmaterial, dass dies auf einer Produktseite steht. Sie wird nicht allein dadurch für den Einsatz im Bauwesen geeignet, dass in einer Broschüre der Begriff „Ersatz für Stahlgitter“ auftaucht. Und sie wird nicht allein dadurch ordnungsgemäß einsetzbar, dass ein eindrucksvolles, gestempeltes Zertifikat beiliegt.
Die Tragwerksleistung ist eine technische Angelegenheit.
Beton ist druckfest, aber zugschwach. Wenn Risse entstehen, kann das Verhalten des Betons nach der Rissbildung entscheidend sein. Die Aufgabe von Makrofasern im Beton besteht darin, die beiden Seiten des Risses zu überbrücken und die Lastübertragung nach der Rissbildung zu unterstützen.
Deshalb reicht es nicht aus, nur die Faserlänge, den Durchmesser, das Material oder die Zugfestigkeit zu betrachten.
Die eigentliche Frage ist, welche Funktion die Faser im Beton hat.
Die Platzierung auf dem EU-Markt und die Einbindung in Strukturen sind zwei verschiedene Dinge
In der Europäischen Union wird das Inverkehrbringen von Bauprodukten durch die Bauprodukteverordnung geregelt. Ziel dieser Verordnung ist es, die Leistung von Bauprodukten in einer gemeinsamen Fachsprache verständlich zu machen, damit Fachleute, Behörden und Käufer Produkte verschiedener Hersteller vergleichen können.
Das ist die Seite zur Marktplatzierung.
Die Einbindung in eine Struktur ist ein anderes Thema.
In Ungarn werden die Festlegung und der Einbau von Bauprodukten in Bauwerke durch die Regierungsverordnung Nr. 275/2013 geregelt. Gemäß dieser Verordnung wird die Übereinstimmung eines Bauprodukts mit der erwarteten technischen Leistung in der Regel durch die Leistungserklärung des Herstellers nachgewiesen.
Das ist ein sehr wichtiger Punkt.
Die Leistungserklärung ist daher nicht nur ein kommerzielles Dokument. Sie wird nicht nur benötigt, damit das Produkt verkauft werden kann. Sie spielt auch eine grundlegende Rolle bei der Spezifizierung und dem Einbau in Bauwerke, da sie angibt, welche Leistung der Hersteller für das Produkt angibt.
Der Regierungserlass 275/2013 sieht außerdem vor, dass bei der Einbauplanung die technischen Spezifikationen des Konstrukteurs zusammen mit der Herstellererklärung zur Produktleistung sowie den Anweisungen des Herstellers zu Lagerung, Transport und Einbau berücksichtigt werden müssen.
Darauf basierend lautet die korrekte Logik wie folgt:
Der Hersteller gibt die Leistung des Produkts an.
Der Planer oder der zuständige Fachmann legt fest, welche Leistungsanforderungen bei den jeweiligen Bauarbeiten oder dem jeweiligen Betonbauteil zu erfüllen sind.
Das Produkt kann nur dann verantwortungsbewusst eingesetzt werden, wenn die angegebene Leistung und die erwartete technische Leistung miteinander im Einklang stehen.
Was bedeutet „erwartete technische Leistung“?
Der Ausdruck „erwartete technische Leistung“ mag zunächst kompliziert klingen, aber seine Bedeutung ist einfach.
Das bedeutet, welche Funktionen das betreffende Bauprodukt an dem Ort erfüllen können muss, an dem es verbaut wird.
Nicht generell.
Nicht auf dem Papier.
Aber bei den tatsächlichen Bauarbeiten, in der tatsächlichen Konstruktion, unter den tatsächlichen Belastungen und Umwelteinflüssen.
Die erforderlichen Leistungsmerkmale können je nach Anwendungsbereich – sei es ein Gartenweg, eine Garagenplatte, ein Industrieboden, eine landwirtschaftliche Betonfläche oder eine stark belastete Plattenkonstruktion – unterschiedlich sein.
Aus diesem Grund kann eine pauschale Aussage wie „Diese Faser ersetzt Stahlgewebe“ irreführend sein.
Die sinnvollere Frage lautet:
In welcher Art von Bauwerk, in welchem Beton, bei welcher Dicke, unter welcher Belastung, bei welcher Dosierung und auf der Grundlage welcher nachgewiesenen Leistungsmerkmale?
Was legt die Norm EN 14889-2 fest?
Eine der wichtigsten Normen für Polymerfasern, die in Beton verwendet werden, ist die EN 14889-2:2006.
Diese Norm legt die Anforderungen, Begriffsbestimmungen und Konformitätsvorschriften für Polymerfasern fest, die in Beton, Mörtel und Injektionsmörtel verwendet werden. Die Norm unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen tragender und nichttragender Verwendung.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Norm selbst eine allgemeine „Einbauzulassung“ für ein Produkt in jeder Art von Gebäudestruktur gewährt.
Das ist eine sehr wichtige Klarstellung.
Die Norm EN 14889-2 legt die Anforderungen fest, unter denen Polymerfasern in Beton, Mörtel oder Injektionsmörtel verwendet werden dürfen. Die Norm unterscheidet zwischen tragender und nichttragender Verwendung, doch die konkrete Anwendbarkeit eines Produkts in einem bestimmten Bauvorhaben wird nicht allein durch den Titel der Norm bestimmt.
Die tatsächliche Anwendbarkeit ergibt sich aus der Leistungserklärung, der angegebenen Leistung, der erwarteten technischen Leistung, den Anforderungen des jeweiligen Bauwerks sowie der Entscheidung des Planers.
Was bedeutet „strukturelle Nutzung“?
Unter „struktureller Einsatz“ versteht man, dass die Zugabe von Fasern gezielt darauf ausgelegt ist, zur Tragfähigkeit des Betonbauteils beizutragen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Faser im Beton „etwas verbessert“.
Auch eine Faser, die nicht für den tragenden Einsatz vorgesehen ist, kann nützlich sein. So kann sie beispielsweise dazu beitragen, Schrumpfrisse im Frühstadium zu verringern. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie als Ersatz für Stahlmatten oder zur Übernahme einer tragenden Funktion geeignet ist.
Eine strukturelle Makrofaser ist etwas anderes. In diesem Fall sorgt die Faser nicht nur für einen zusätzlichen Effekt, sondern spielt auch eine Rolle beim Verhalten des Betons nach dem Rissbildungsprozess.
Aus diesem Grund kommt der Dokumentation bei strukturellen Anwendungen eine weitaus größere Bedeutung zu.
Ein allgemeines technisches Datenblatt reicht nicht aus.
Eine Broschüre reicht nicht aus.
Das Versprechen eines Herstellers reicht nicht aus.
Erforderlich ist eine Leistungsüberprüfung, die anhand normgerechter Tests aufzeigt, was das Produkt konkret leistet.
Makrofasern, Mikrofasern, fibrillierte Fasern: Sie erfüllen nicht dieselbe Funktion.
Auf dem Markt werden viele verschiedene Fasern einfach als „Betonfasern“ bezeichnet. Das mag im Alltagssprachgebrauch verständlich sein, ist aber technisch gesehen ungenau.
Mikrofasern sind in der Regel dünnere Fasern. Sie werden häufig eingesetzt, um frühe Schrumpfrisse bei Kunststoffen zu verringern.
Fibrillierte Fasern sind Fasern, die sich zu einer netzartigen Struktur aufspalten. Sie können in bestimmten Betonanwendungen nützlich sein, was jedoch nicht automatisch bedeutet, dass sie sich wie strukturelle Makrofasern verhalten.
Makrofasern haben einen größeren Durchmesser. Gemäß EN 14889-2 weisen Polymerfasern der Klasse II einen Durchmesser von mehr als 0,30 mm auf. Auf der Grundlage dieser Norm werden diese Fasern in der Regel dort eingesetzt, wo eine Verbesserung der Restbiegezugfestigkeit angestrebt wird.
Deshalb dürfen verschiedene Fasern nicht so behandelt werden, als wären sie gleich.
Eine Mikrofaser, eine fibrillierte Faser und eine strukturelle Makrofaser erfüllen nicht dieselbe Funktion.
Die Frage ist nicht, ob der Beton Fasern enthält.
Die Frage ist, um welche Art von Ballaststoff es sich handelt, für welchen Zweck er bestimmt ist, in welcher Dosierung er verabreicht wird und welche nachgewiesene Wirksamkeit er aufweist.
Was ist der CMOD-Wert?
Der Begriff CMOD taucht häufig im Zusammenhang mit strukturellen Makrofasern auf.
CMOD steht für „Crack Mouth Opening Displacement“. Einfach ausgedrückt bezeichnet dies die Breite der Rissöffnung während der Prüfung.
Es zeigt, um wie viel sich der Riss in einem Betonprüfkörper unter Belastung öffnet.
Warum ist das wichtig?
Denn bei faserverstärktem Beton kommt es nicht nur darauf an, wann der erste Riss auftritt. Genauso wichtig ist, was passiert, nachdem der Riss aufgetreten ist.
Die Aufgabe der Makrofasern besteht darin, den Riss zu überbrücken und dazu beizutragen, dass der Beton auch nach der Rissbildung seine Tragfähigkeit behält. Aus diesem Grund muss das Verhalten nach der Rissbildung geprüft werden.
Bei einem Biegeversuch gemäß EN 14651 lässt sich die Restbiegezugfestigkeit im Zusammenhang mit der Rissöffnung, d. h. den CMOD-Werten, interpretieren. In der Fachliteratur gilt die mit dem CMOD verknüpfte Restbiegezugfestigkeit als eines der wichtigsten Merkmale des Verhaltens von faserverstärktem Beton nach dem Rissbildung.
Einfacher ausgedrückt:
CMOD ist keine eigenständige Eigenschaft der Faser selbst. Es hilft dabei, zu veranschaulichen, wie sich der faserverstärkte Beton verhält, nachdem er bereits Risse aufgewiesen hat.
Aus diesem Grund sollte die Dokumentation einer Strukturmakrofaser nicht nur die Abmessungen und die Zugfestigkeit der Faser angeben, sondern auch, welche Leistung sie bei einer bestimmten Dosierung im Beton erbringt.
Warum reicht es nicht aus, zu sagen, dass „die Faser stark ist“?
Ein häufiger Fehler besteht darin, ein Produkt ausschließlich anhand der einzelnen Eigenschaften der Faser zu beurteilen.
Zum Beispiel:
- wie lang es ist,
- wie dick es ist,
- aus welchem Material es besteht,
- welche Oberflächenform sie hat,
- welche Zugfestigkeit es aufweist.
Das sind wichtige Daten.
Sie entscheiden jedoch nicht eigenständig, ob das Produkt für den baulichen Einsatz geeignet ist.
Im Beton wirkt eine einzelne Faser nicht isoliert. Das gesamte System wirkt zusammen: der Beton, die Faser, die Dosierung, das Mischen, das Einbringen, die Nachbehandlung, die Plattendicke, der Unterbau und die Belastung.
Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht: „Wie stark ist die Faser?“
Die entscheidende Frage lautet:
Welche Leistung erbringt es konkret für den jeweiligen Zweck und bei der angegebenen Dosierung?
Welche Unterlagen werden benötigt?
Bei einer strukturellen Makrofaser sollten zumindest die folgenden Unterlagen geprüft werden.
Leistungserklärung
Dies ist das wichtigste Dokument.
In der Leistungserklärung gibt der Hersteller die Leistung des Produkts offiziell an. Nach Angaben der Europäischen Kommission ist die Leistungserklärung eines der Schlüsselelemente der Bauprodukteverordnung und für Bauprodukte vorgeschrieben, die unter eine harmonisierte europäische Norm fallen oder für die eine Europäische Technische Bewertung vorliegt.
Die Leistungserklärung ist wichtig, da sie keine allgemeine Zusicherung enthält. Sie enthält die angegebene Leistung des Produkts.
Unterlagen zur CE-Kennzeichnung
Die CE-Kennzeichnung ist keine eigenständige „Zulassung“.
Die CE-Kennzeichnung und die Leistungserklärung müssen im Zusammenhang betrachtet werden. Nach Angaben der Europäischen Kommission enthält die Leistungserklärung Angaben zur Leistung des Produkts, und die betreffenden Bauprodukte müssen mit der CE-Kennzeichnung versehen sein.
Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnen viele Menschen dies als „CE-Zertifikat“ oder „CE-Zulassung“, doch korrekterweise sollte man von der CE-Kennzeichnung und der Leistungserklärung sprechen.
Technisches Datenblatt
Das technische Datenblatt ist zwar wichtig, ersetzt jedoch nicht die Leistungserklärung.
Dort könnte beispielsweise Folgendes angezeigt werden:
- Faserlänge,
- Durchmesser,
- Material,
- Oberflächenprofil,
- empfohlene Dosierung,
- Verpackung,
- Lagerbedingungen.
Dies sind nützliche Informationen, doch für sich genommen belegen sie noch nicht die Eignung für den Einsatz im Bauwesen.
Prüfberichte
Prüfberichte können die angegebene Leistung belegen.
Hier ist es besonders wichtig, dass sich der Test tatsächlich auf das verkaufte Produkt bezieht.
Außerdem ist es wichtig, die Dosierung, die Betonmischung und das für die Ergebnisse verwendete Prüfverfahren zu überprüfen.
Ein Laborprüfbericht ist nicht dasselbe wie eine Leistungserklärung.
Anleitung zur Installation, Dosierung und Anwendung
Bei strukturellen Makrofasern kommt es auf die Anwendung an.
Die empfohlene Dosierung kann je nach Verwendungszweck variieren – sei es für einen leicht frequentierten Fußweg, eine Garagenfläche, eine Einfahrt, einen Industrieboden oder eine stark belastete landwirtschaftliche Fläche.
Ein Anwendungsleitfaden trägt dazu bei, dass das Produkt nicht nur auf dem Papier korrekt ist, sondern auch in der Praxis richtig eingesetzt wird.
Es ist verdächtig, wenn sich die Dokumente nicht problemlos herunterladen lassen.
Bei einer ernstzunehmenden strukturellen Makrofaser sollten die wichtigsten Dokumente öffentlich zugänglich sein.
Wenn auf der Website eines Händlers das Produkt als strukturelle Makrofaser, als Faser für den strukturellen Einsatz oder als Ersatz für Stahlgitter präsentiert wird, die Leistungserklärung und die Unterlagen zur CE-Kennzeichnung jedoch nicht ohne Weiteres heruntergeladen werden können, ist dies bereits ein Warnsignal.
Nicht, weil jeder fehlende Download-Button automatisch bedeutet, dass ein Problem vorliegt.
Aber bei dieser Art von Produkt ist die Dokumentation kein nebensächliches Detail.
Das ist keine Dekoration.
Es handelt sich nicht um eine nachträgliche Verwaltungsformalität.
Das sollte nicht erst nach wiederholten Aufforderungen bereitgestellt werden.
Wird ein Produkt für eine tragende Funktion empfohlen, haben der Käufer, der Auftragnehmer und der Planer das Recht, zu erfahren, worauf sich diese Angabe stützt.
Ein transparenter Händler hält die Leistungserklärung nicht zurück.
Welche irreführenden Dokumente können auf dem Markt auftauchen?
Auf dem Markt sind verschiedene Arten von Dokumenten im Umlauf, die auf den ersten Blick offiziell wirken mögen, jedoch keine echte Leistungserklärung ersetzen.
Ein Dokument mit dem Titel „CE-Zertifikat“
Ein abgestempeltes, mit einem Logo versehenes Dokument in englischer Sprache kann leicht den Eindruck erwecken, dass alles in Ordnung ist.
Die Tatsache, dass ein Dokument eine CE-Kennzeichnung enthält, bedeutet jedoch an sich noch nicht, dass es sich um eine Leistungserklärung handelt.
Die eigentliche Frage ist, ob darin die genaue Produktkennzeichnung, Angaben zum Hersteller, die geltende Norm, der Verwendungszweck, die angegebenen Leistungswerte und die Herstellerhaftung enthalten sind.
Allgemeines technisches Datenblatt
Ein technisches Datenblatt ist zwar nützlich, stellt jedoch keine Leistungserklärung dar.
Wenn lediglich angegeben ist, dass das Produkt „der Norm EN 14889-2 entspricht“, es jedoch keine konkreten Leistungswerte und keine Leistungserklärung gibt, reicht das nicht aus.
Laborbefund
Ein Labortest kann ein wertvolles Begleitmaterial sein.
Das ist jedoch nicht dasselbe wie eine Leistungserklärung.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn nicht klar ist, ob das getestete Produkt genau mit dem verkauften Produkt übereinstimmt.
ISO-Zertifikat
Ein ISO-Zertifikat bezieht sich in der Regel auf das Qualitätsmanagementsystem des Herstellers.
Dies kann ein positives Zeichen sein, sagt jedoch nichts über das Verhalten der jeweiligen strukturellen Makrofaser im Beton aus.
Ein ISO-Dokument ersetzt keine Leistungserklärung.
Sicherheitsdatenblatt
Ein Sicherheitsdatenblatt befasst sich mit Fragen der Handhabung, Lagerung sowie des Gesundheits- und Arbeitsschutzes.
Es handelt sich um ein wichtiges Dokument, aber nicht um eine technische Leistungsüberprüfung.
Unternehmensbroschüre
Eine Broschüre dient dem Verkauf.
Es mag zwar angegeben sein, dass das Produkt als Ersatz für Stahlgitter geeignet ist, doch dies ist für sich genommen noch kein Beweis.
Eine marketingbezogene Aussage muss durch eine technische Überprüfung belegt werden.
Woran erkennt man eine echte Leistungserklärung?
Eine Leistungserklärung weist in der Regel erkennbare inhaltliche Elemente auf.
Eine glaubwürdige Leistungserklärung sollte unter anderem Folgendes enthalten:
- die Dokumentennummer,
- den genauen Produktnamen und -typ,
- Name und Anschrift des Herstellers,
- der Verwendungszweck,
- die geltende harmonisierte Norm, zum Beispiel EN 14889-2,
- das System zur Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit,
- die angegebenen Leistungswerte,
- die erforderlichen Qualifikationen oder Erfahrungen als Zertifizierungs- oder Prüfstelle,
- die Verantwortlichkeitserklärung des Herstellers,
- das Ausstellungsdatum und die Unterschrift.
Ein technisches Datenblatt hingegen enthält in der Regel Angaben zu den Produkteigenschaften.
Beides darf nicht verwechselt werden.
Das Datenblatt hilft Ihnen dabei, sich ein Bild vom Produkt zu machen.
Aus der Leistungserklärung geht hervor, für welche Leistung der Hersteller offiziell die Verantwortung übernimmt.
Was sollte man vor dem Kauf prüfen?
Bevor man eine Struktur-Makrofaser kauft, sollte man sich folgende Fragen stellen:
Kann die Leistungserklärung von der Website des Händlers heruntergeladen werden?
Kann die Dokumentation zur CE-Kennzeichnung heruntergeladen werden?
Bezieht sich das Dokument auf die Norm EN 14889-2?
Ist klar, ob das Produkt für den tragenden oder nichttragenden Einsatz vorgesehen ist?
Sind der genaue Produktname und der Hersteller erkennbar?
Werden konkrete Leistungswerte angegeben?
Gibt es Leistungswerte, die mit CMOD in Verbindung stehen?
Ist klar, für welche Dosierung diese Werte gelten?
Bezieht sich das Dokument tatsächlich auf das verkaufte Produkt?
Ist klar, wer die Verantwortung für die Erklärung übernimmt?
Wenn diese Fragen nicht eindeutig beantwortet werden können, ist Vorsicht geboten.
Worauf sollten Auftragnehmer achten?
Bauunternehmer betrachten das Thema oft aus praktischer Sicht.
Verständlicherweise wollen sie wissen:
- wie viel benötigt wird,
- wie es gemischt werden sollte,
- in welchem Beton er verwendet werden kann,
- ob es Netzgewebe ersetzen kann,
- wann der Beton belastet werden kann.
Das sind wichtige Fragen.
Bei strukturellen Makrofasern muss der Auftragnehmer jedoch auch prüfen, ob die Anwendung durch eine technische Überprüfung gestützt wird.
Wenn Stahlgitter ausgetauscht werden, sollte die Entscheidung nicht allein aus Gewohnheit oder aufgrund mündlicher Aussagen getroffen werden.
Der Auftragnehmer muss wissen, was in der Produktdokumentation beschrieben ist und was nicht.
Worauf sollten Designer achten?
Die Aufgabe des Konstrukteurs besteht darin, die erwartete technische Leistung zu ermitteln.
Der Planer wählt nicht einfach nur ein Produkt aus. Er bewertet die Belastungen und Anforderungen der jeweiligen Konstruktion und legt fest, welche Leistungsmerkmale das Bauprodukt aufweisen muss.
Bei strukturellen Makrofasern kommt dem Planer eine besonders wichtige Rolle zu, da Dosierung, Betonqualität, Plattendicke, Unterbau und Belastung das Endergebnis beeinflussen.
Eine gute Dokumentation ist eine Hilfe für den Konstrukteur.
Unvollständige Unterlagen führen zu Unsicherheit.
Worauf sollten Händler achten?
Auch Vertriebspartner müssen darauf achten, welche Aussagen sie treffen.
Wenn in einem Online-Shop oder einem Angebot angegeben wird, dass ein Produkt eine strukturelle Makrofaser ist, für den strukturellen Einsatz geeignet ist oder Stahlgitter ersetzen kann, muss diese Behauptung durch Unterlagen belegt werden.
Es reicht nicht aus, zu sagen: „Der Hersteller sagt, es sei gut.“
Eine Broschüre reicht nicht aus.
Ein allgemeines Dokument mit CE-Kennzeichnung reicht nicht aus.
Der Käufer verlässt sich auf die Angaben des Händlers. Deshalb ist es für Händler besonders wichtig, nur solche Aussagen zu machen, die tatsächlich durch die Produktdokumentation belegt sind.
Was sollte bei einem unbekannten oder importierten Produkt angefordert werden?
Auch ein Produkt, das von außerhalb Europas kommt, kann von guter Qualität sein.
Das Herkunftsland allein ist nicht der entscheidende Faktor.
Entscheidend ist, ob die Unterlagen den europäischen Anforderungen für das Inverkehrbringen sowie den ungarischen Vorgaben hinsichtlich der Spezifikation und der Einbindung in Bauwerke entsprechen.
Bei einem unbekannten oder importierten Produkt sollten mindestens folgende Angaben angefordert werden:
- Leistungserklärung,
- Unterlagen zur CE-Kennzeichnung,
- Hintergrund zur Konformität mit EN 14889-2,
- Technisches Datenblatt,
- Sicherheitsdatenblatt,
- Prüfberichte,
- CMOD-bezogene Leistungsdaten,
- Dosierungs- und Anwendungshinweise,
- Herstellerangabe,
- Herstellungsort,
- Chargenidentifizierung und Rückverfolgbarkeit.
Wenn der Händler oder Hersteller keine klaren Antworten auf diese Fragen geben kann, ist das ein ernstzunehmendes Warnsignal.
Der Standard ersetzt nicht die Konstruktion
Das muss klar gesagt werden:
Das Vorliegen einer Dokumentation gemäß EN 14889-2 bedeutet nicht automatisch, dass eine bestimmte Makrofaser Stahlgewebe in jeder Betonanwendung ersetzen kann.
Die Norm legt die Produktanforderungen und den Rahmen für die Konformitätsbewertung fest.
Die konkrete Anwendung muss stets anhand der jeweiligen Aufgabe beurteilt werden.
Ein Fußweg ist etwas anderes.
Eine Einfahrt ist etwas anderes.
Ein Industrieboden ist etwas anderes.
Ein Streifenfundament ist etwas anderes.
Anders verhält es sich bei einem Bauwerk mit höheren Anforderungen an die Tragfähigkeit.
Deshalb lautet die korrekte Formulierung nicht: „Diese Faser ersetzt Netzgewebe überall“.
Die zutreffendere Aussage lautet:
Bei korrekter Auslegung, geeignetem Beton, richtiger Dosierung und nachgewiesener Leistungsfähigkeit kann herkömmliches Stahlgeflecht in bestimmten Betonkonstruktionen ersetzt werden.
Dies ist technisch gesehen genauer und führt den Käufer nicht in die Irre.
Zusammenfassung
Der Einsatz von strukturellen Makrofasern bietet große Chancen im modernen Betonbau.
Allerdings nur, wenn das Produkt durch echte, überprüfbare Unterlagen belegt ist.
Die wichtigsten Erkenntnisse sind folgende:
Nicht jede Betonfaser ist eine strukturelle Makrofaser.
Nicht jedes Dokument mit CE-Kennzeichnung ist eine Leistungserklärung.
Nicht jedes Datenblatt bestätigt die Eignung für den Bauzweck.
Nicht jedes Laborergebnis bezieht sich automatisch auf das verkaufte Produkt.
Die Leistungserklärung ist nicht nur für die Markteinführung wichtig, sondern auch als Schlüsseldokument für die Ausschreibung und den Einbau in Bauwerke.
Die Norm EN 14889-2 unterscheidet zwischen struktureller und nichtstruktureller Verwendung, erteilt jedoch keine allgemeine Einbauzulassung für Baukonstruktionen.
Die tatsächliche Anwendbarkeit ergibt sich aus den Anforderungen des jeweiligen Bauwerks, der erwarteten technischen Leistung, der Leistungserklärung des Herstellers und der Entscheidung des Planers.
Deshalb geht es bei der Auswahl einer strukturellen Makrofaser nicht darum, ob ein bestimmtes Dokument existiert.
Die Frage ist, ob die Unterlagen tatsächlich belegen, was über das Produkt behauptet wird.
Wird ein Produkt für den statischen Einsatz oder als Ersatz für Stahlgitter empfohlen, muss dies in den Unterlagen eindeutig belegt sein.
Das ist keine reine Formalität.
Dies ist die Grundlage für verantwortungsbewusstes Bauen mit Beton.







